Alverans Pforten

Panoptikum der geistigen Wirrnis

Wo Peraine abwesend ist, gibt es keine Wünsche mehr.

„Die Zeit schläft in diesem Raume, auf dass sie nicht vergeht
Der Geist schläft in diesem Traume, so dass er sich nicht bewegt.
Das Licht sieht sich als Schatten, schließt es seine Augen,
Ein Blick in diese Welt, mag als Sinn nicht wirklich taugen.

Ich atme in tiefen Zügen, zeitlos alt schmeckt diese Luft
Der Tod schenkt rote Rosen und verkauft Lebenshauch als Duft.
Mein Herz schlägt ganz erregt, ob dieser roten Farbe
Und in meinem Inneren öffnet sich blutend eine Narbe.
Mein Herz! Ruf ich ganz wilde, bist Du noch bei Verstand?
Es lächelt einfach milde
Und wickelt mich in weißes Gewand.“

Schon kurz nachdem ich mein Treiben in ländlichen Gebieten gegen das Wirken im Tempel von Andergast eintauschte, entwickelte sich in mir ein Gefühl , schemenhaft und nicht greifbar, dass ich mit Dingen konfrontiert werden würde, die ich bisher nicht einmal im Ansatz, sondern nur aus Legenden und mythischen Erzählungen kannte.
Aber erst als ich auf die Gruppe von Menschen traf, mit denen ich seitdem als Gefährten verbunden bin, brach sich das Chaos bahn.
Frevel, Untote, Dämonen… und doch dieser eine Moment in der ich meiner Herrin Peraine so nah war wie nie zuvor.
Welche Kraft dieses Licht mit sich bringen kann, wenn man ihm aufrichtig dient!
Mit der Hoffnung etwas von diesem Licht in Andergast zurück gelassen zu haben, brachen wir auf und es war mir gleichgültig wohin. Kein Ziel im Sinne eines bestimmten Ortes hatte ich vor Augen, sondern nur mein Wirken als Geweihter, gleichgültig wo.
Doch wieder musste ich erkennen, dass dieses Wirken abseits der geregelten Ordnung voll von Ablenkungen und Irritationen ist.
Nach einiger Wegstrecke erreichten wir ein Wirtshaus mitten im Wald, in dem einer Menge weltlicher Dinge gefrönt wurde. Aber als erstes bohrten sich dort Echsenaugen in mich hinein. Ich weiß nicht wie kurz ich davorstand, mich und mein geringes Talent im Umgang mit meinem Lindwurmschläger zu vergessen und dieses Frevelwesen meines Volkes in den Enddarm des Drachens zurückzuschicken, aus dem es einst gekrochen sein musste.
Ich muss wohl Peraine danken, die mir ein Fünkchen Ruhe sandte und mich vor dieser Tat schützte.
Zum Glück erwies sich dieses Schuppenwesen als reichlich dämliches Vieh, was aber- trotz aller gebotenen Vorsicht – friedlich zu sein schien.
Aber ich ließ mich zu sehr durch die Weltlichkeit ablenken und verhielt mich, wie ich es bei anderen nur ungern sehen würde; ich respektierte dieses Wesen nicht und erfreute mich an seiner Dämlichkeit, Gras und Rinde fressen zu wollen. Dass es sich um eine Tza-Geweihte handelte, wie die Wirtin sagte, drang nicht von meinen Ohren in mein Hirn vor.
Auch klingen mir noch die Worte der Wirtin im Ohr, dass ich die Speisen und Getränke nicht gesegnet hatte, hier inmitten der Wildnis, wo Reisende dieser Stärke vielleicht bedürfen.
An meinem Verhalten hätte mich im Gasthaus wohl niemand als Geweihten der Peraine erkannt.
Der Dienst an ihr besteht nicht aus einer großen Tat, sondern an der Menge der kleinen gewöhnlichen Taten, die allen Wesen ein Licht in der nicht immer hellen Zeit aufgehen lassen können.
So verließen wir das Gasthaus und zogen weiter und die Begegnung mit der Horde Goblins, denen wir Oger-Gliedmaßen schmackhaft in der Pfanne braten mussten, um ungeschoren weiterwandern zu dürfen, wäre wohl der Höhepunkt dieses Teils der Schilderung unserer Reise gewesen.
Als wir uns einen Rastplatz suchten und wir uns getrennt aufmachten, um Nahrung aufzutreiben, veränderte sich die Wirklichkeit um uns herum allmählich und entwickelte sich zu einem Panoptikum der geistigen Wirrnis.
Mich betraf es, als ich kräutersuchend im Wald herumkreuchte. Zwar bin ich kein Kind des Waldes, aber zehn Schritte geradeaus und wieder zurück bekomme schon hin, ohne mich zu verirren.
Ich latschte jedoch auf einmal von quer nach links und halbschräg wieder im Kreis. Verzweiflung kam in mir auf, bis mich ein Ast aus dem Nichts kommend am Kopf traf und mir die glücklichste Beule meines Lebens verpasste.
Yardonn ersann sich diesen Geck, nachdem er ebenso bemerkte, dass wir in ein magisches Verwirrspiel geraten waren und konnte so die Verbindung zwischen uns wieder herstellen.
Zurück im Lager fanden wir den Rest der Gruppe und eine auseinandergerissene Fee, die den Spaß sich als Kaninchen in der Falle auszugeben mit dem Leben bezahlt hatte.
Garwin hatte ihr kurzen Prozess gemacht, als ihn das eigentlich tote Kaninchen mit leuchtenden Augen plötzlich anschaute. Man kann ihm nicht böse sein. Selbst ich hätte in dem Moment an meinem Verstand gezweifelt und welche Reaktion sollte man von einem einfach gestrickten Söldner verlangen, als den Versuch etwas eigentlich vermutetes Totes eben nochmal zu töten.
Yardonn schlug vor das kleine Ding mit einem Grabsegen zu bestatten. (Schon wieder musste man mich an eine Pflicht erinnern!)
Ich tat wie geheißen und gab mir besondere Mühe und wir wurden Zeugen eines nur in Mythen beschriebenen Ereignisses: Golgari , der Sendbote Borons, der Seelenrabe selbst stieg vom Himmel herab und nahm die Seele der Fee mit sich.
Ob dies nun Wirklichkeit war oder auch nur ein Zauber…?
Was danach folgte, mag ich nicht niederschreiben. Kurz nur: Wir wanderten durch eine Welt, die nichts mit der uns bekannten zu tun hatte. Die Zeit ließ sich kaum empfinden, Gefährten veränderten sich körperlich und um wenigstens irgendein Ergebnis zu erzielen, unternahmen wir etliche seltsam anmutende Versuche, für die man selbst kleine Kinder der Albernheit schilt.
Am Ende landeten wir auf einer riesigen Seerosenblüte in einem riesigen Gewässer, an der ein Fisch zerrte oder sie antrieb. Aber was hier auch sein mag, hier ist Wasser! Zuviel Wasser! Viel zuviel Wasser! Und was ich noch dachte, um mir den Gedanken an das Wasser aus dem Kopf zu nehmen, war, dass ich dem Wurm hätte folgen sollen. Er hat ein Loch gegraben, für uns wäre es eine Höhle gewesen. Ein Zwerg und eine Höhle; tausendmal besser als endloses Wasser!
Peraine scheint weit weg zu sein. Es mag verzerrte Wirklichkeiten geben, in denen selbst die Götter keine Macht haben. Yardonn meinte, dies sei eine Wünsch-Dir-Was-Welt. Wo Peraine abwesend ist, gibt es keine Wünsche mehr.

Comments

ohhh seelig sind die Unwissenden;
Eventuell bist du Peraine näher denn je in dieser Welt der Götter

Panoptikum der geistigen Wirrnis
 

Ja, mag sein, habe mich mit Torsten schon OT ein wenig unterhalten. Aber IT Ist Volki voller Zweifel und tappt im Dunkeln. Mal sehen was uns im Spiel so offenbart wird und ob Volki das zu erkennen vermag.

Panoptikum der geistigen Wirrnis
Volkenkratz

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