Alverans Pforten

Jardonn und sein Langbogen.

Erinnerungen an den Elfenbogen

Ich fühle den Langbogen in meiner Hand. Eine Erinnerung steigt hoch. Jardonn mit seinem Elfenbogen. Ja, sein Elfenbogen, obwohl er kein Elf ist. In meiner Jugend war ich gut mit einem Elfenjungen befreundet. Tja, irgendwie muss ich schon damals ein Aussenseiter gewesen sein. Aber der Junge war echt nett. Er fertigte sogar für mich eine Bogen an. Meinen Elfenbogen. Klar, ich war ein Mensch, und irgendwie passte der Bogen nicht. Ich musste damit kämpfen, und hatte immer Probleme mit der Zielgenauigkeit. Aber obwohl er himmlisch leicht zu spannen war, flogen die Pfeile “unendlich” weit und mit so viel Kraft. Klar, so ein Kurzbogen war ähnlich zu schießen, und auch auf kurze Distanz viel Präziser. Aber die Pfeile fliegen von so einem Teil wie in Zeitlupe!
Mein Elfenbogen… Die Sache läßt mich nicht loss. Der Langbogen kann wohl ähnlich gut schießen, aber momentan noch nicht mit mir. Es scheint, als müsste ich einen Baumstamm bewegen, nicht einen Bogen. So schwer zu ziehen. Und habe ich es geschaft, habe ich grosse Probleme nicht zu sehr vor Anstrengung zu zittern. Verdammt, wie machen die Elfen das nur. Aber der Elfenbogen ist weg. Da kann ich nichts machen. Verdammte Orks, erst meine Eltern, dann auch noch der Bogen. Hass lodert in mir auf. Oh ja, wir ziehen in die Orkenlande. Ich besehne den Langbogen. Ich versuche den Bogen zu spannen. Mein Arm tut weh. Ich denke an meine Eltern. Wut verleiht mir neue Kraft. Neue Kraft durchströmt meine Muskeln, ich ziehe die Sehne bis an die Wange, dann lasse ich vorsichtig die Sehne wieder vorgleiten. Und wieder, und wieder. Ich stelle mir vor, wie nach jedem Spannen ein Pfeil die Sehne verläßt, und im Körper eines der Besatzers landet.
Schweiß bildet sich auf meiner Stirn.
Beim Zurücklassen gleitet mir fast die Sehne aus der überlasteten Hand. Ich muss vorsichtiger sein, ich darf den Bogen nicht verlieren… nicht noch einen!
Ich lege den Bogen vor mich und knie nieder.
Firun gib mir Kraft.
Firun leite meinen Weg, dieses Übel aus der Welt zu tilgen.
Firun gib mir Kraft.
Ich nehme den Bogen wieder auf.
Meine Muskeln protestieren, ich bekommen den Bogen gerade mal halb gespannt.
Ich denke an meine Eltern. Doch diesmal gibt es mir keine Kraft.
Eine Träne bildet sich unter dem Auge.
Ich lasse die Sehne zurückgleiten und entferne sie vom Bogen.
Ich sinke auf mein Nachtlager.
Firun gib mir Kraft.
Nocheinmal quälen mich die schrecklichen Bilder, dann sinke ich in den Schlaf, den Bogen fest umklammert.

Comments

Yardonn

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